Aber zwischendurch nach Hause gehen lohnt sich auch nicht. So finde ich mich schon um 18 Uhr in Baden wieder und beschliesse, mir den Stadtkern etwas anzuschauen. Es ist schon ein Weilchen her, seit ich das letzte Mal da war. Ich schlendere in der Altstadt herum und esse dann einen Cesar Salad im McD.
Inzwischen ist eine dreiviertel Stunde herum, ich bin immer noch zu früh aber das macht nichts. Auf der anderen Seite des Bahnhofs finde ich das Trafo, da wo ich auch hinwill. Die weiträumigen Hallen sind ruhig, nur vereinzelt sitzen Leute in den Cafes oder gehen zum Kino. Ich höre auf die Stille, lasse den Raum auf mich wirken und gehe dann zur Abendkasse der Trafohalle. Auch dort bereitet man sich erst langsam auf das Konzert vor. Freundlich werde ich begrüsst, bekomme das reservierte Ticket und kann mir sogar meinen Sitzplatz aussuchen.
F16. Sechste Reihe, direkt am Mittelgang rechts. Einer der besten Plätze im Saal finde ich. Jetzt bleibt mir noch eine Stunde Vorfreude. Ich schlendere noch einmal durch die Halle, trinke ein Bierchen, langsam füllt sich der Raum mit Geräuschen. Gläser klirren in der Bubble Bar. Das Gemurmel der Leute verstärkt sich. Eine Gruppe von Jugendlichen steuert lachend auf das Kino zu.
Aus dem Saal höre ich, wie die Musiker ihre Instrumente stimmen. Ein scheinbar chaotisches Durcheinander und trotzdem gehört es alles zusammen. Ein paar Minute später klingt dann Musik aus den Türen. Ich gehe hin und schaue ein bisschen zu. Ab Take 168 wird noch einmal wiederholt, der Dirigent scheint zufrieden.
Am Flügel sehe ich sie sitzen. Soll ich in den Saal hineingehen wie die drei anderen und etwas zuhören? Nein, ich will mich ganz auf das Konzert freuen.
Diese Zeit vor dem Ereignis geniesse ich. Alles scheint sich auf den Moment vorzubereiten.
Wie auf ein geheimes Zeichen hin kommt Bewegung in die Leute. Langsam gehen die ersten in den Saal, ich warte noch ein bisschen. Die Vorfreude wächst.
Ich nehme meinen Platz ein und wenige Minuten später beginnt das Konzert. Applaus als die Musiker die Bühne betreten, dann noch einmal für den Dirigenten. Franz Schuberts Zwischenmusik Nr.2 erklingt. Schön, ein bisschen unspektakulär. Aber genau richtig für mich, als Einstimmung.
Dann tritt sie auf. Setzt sich hin und das Orchster spielt die ersten Töne von Mozarts
Konzert für Klavier und Orchester. Sie setzt ein und eine halbe Stunde später komme ich wieder zurück auf die Erde.
Der Applaus der Zuschauer scheint nicht enden zu wollen, drei Mal kommt sie wieder auf die Bühne. Beim vierten Mal bleibt sie - und setzt sich wieder an den Flügel.
Es wird still. Die ersten einzelnen Töne von Chopins Nocturne klingen durch den Saal. Sie spielt und alles lauscht gebannt. Die Frau, die hinter mir ihrer Perlenkette gespielt hat, sitzt still. Kein Husten oder Räuspern ist zu hören, als sie die Hand von den Tasten hebt und dann wieder weiterspielt.
Und als das Stück endet, hören wir wie die Saiten ausklingen, immer leiser werden und dann verstummen.
...
Langsam wird es hell, Pause.
Nach der Pause spielt das Orchester noch einmal Schubert. In meinem Kopf klingt immer noch die Nocturne.
Nach dem Konzert treffe ich sie noch kurz, wir plaudern ein bisschen. Sie erwähnt, dass ich meine Kamera hätte mitnehmen sollen. Nun freue ich mich noch mehr auf das nächste Konzert.
theswiss- 28. Feb, 16:21 - 231 8-)