Sonntag war Spass angesagt. Die Tante lebt in einem Wohnheim, geplant war, sie dort mit der Familie zu besuchen und dort auch zu Mittag zu essen. Dann gemeinsamer Besuch des Musicals "Dschungelbuech" im Bernhard Theater.
Es ergab sich nun aber, dass mein Zug ca. zehn Minuten nach dem Rest der Familie ankam und die also auch zehn Minuten früher beim Wohnheim waren. Soweit so gut. Wie immer ging ich auf die automatische Tür zu - und knallte fast in die Glasscheibe. Die Tür öffnete sich nicht. Verwundert schaute ich mich um, bewegte mich hin und her aber die Tür machte keinen Wank.
Dann las ich den Zettel der innen angeklebt war.
Sie hatten einen Ausbruch des
Norovirus (Ansteckender Brechdurchfall). Vom Besuch bei Verwandten werde abgeraten, man solle doch ein anderesmal wieder kommen. Während ich nun versuchte, meine Leute telefonisch zu erreichen, öffnete sich die Tür und eine Schwester begrüsste mich. Der Rest der Familie theswiss sei bereits oben, sagte sie mir.
Klar, was das für mich bedeutet. Abhauen oder die Tante packen und woanders essen. Aber nicht mit dieser Tante. Sie hatte schliesslich das Essen schon bestellt gehabt, oder? Es sei für uns in einem separaten Raum gedeckt, ob ich auch mit hoch wolle.
Gruppendruck funktioniert. Die Tante sei aber gesund, hiess es. Alle Alarmglocken in mir bimmelten, der Verstand klopfte von innen an die Stirn - nichts half.
Die Tante wollte dort essen. Und ich wollte nicht alleine abhauen.
Oh Mann, ich hatte mich selten an einem Ort so unwohl gefühlt. Ich traute mich kaum zu atmen, die Schwester hatte mir gesagt, dass der Virus über Tröpfchen durch die Luft übertragen wird. Und wir
assen nun auch noch dort. Essen, dass
dort zubereitet worden war. Und auch das Personal war auch schon teilweise infiziert, wie ich gehört hatte.
Ich trank nichts. Ich ging nicht aufs Klo. Ich liess die Hälfte des Essen stehen (na gut, es war ja auch Kartoffelstock dabei, den mag ich eh nicht). Ich fasste nichts an. Nur schnell weg hier. Ich wollte einen Mundschutz wie Michael Jackson haben, bekam ihn aber nicht.
Aber dann gabs noch Kaffee. Von dort. Der Fluchtinstinkt war schon heiser vom Schreien. Es war schon lange Zeit zu gehen. Aber Tante musste sich noch anziehen. Und die Schuhe anziehen. Und dann noch etwas trinken, ganz wichtig. In meinem Kopf sah ich dauernd Dustin Hoffman in seinem
Anzug herumsausen.
ICH WILL HIER RAUS!
Endlich hatten wir die Tante unten und im Taxi. Das
Musical war schön, lustig, kindgerecht (so ab 4-5 Jahren). Viele Kinder, die mit den Darstellern kommunizierten und vor dem bösen Tiger warnten. Echt empfehlenswert, wenn man einen Zwerg in Zürich beschäftigen will. Ich war ja nur erleichtert, aus dieser Seuchenhölle entronnen zu sein. Nein ehrlich, das Musical war wirklich toll, gute Darsteller, schöne Kulisse und mit den vielen Kindern im Zuschauerraum ein Heidenspass! Absolut empfehlenswert!
Danach hatte Tante die Idee, wir sollten sie zurück zum Heim begleiten. Aber endlich konnten wir uns durch- und sie in ein Taxi setzen. Die Gefahr war gebannt.
Tja, und nun fragt sich vielleicht der eine oder die andere, warum um Himmels willen der theswiss um
diese Zeit einen Eintrag schreibt.
Ich hoffe, es ist Zufall und die Onion Ringe gestern abend waren schlecht gewesen.
Nachtrag: meine Mutter hat gestern mal kurz ihr Mittagessen storniert. Und sie hatte
auch die Onion Ringe. Ha!